Abstract FPV/01/01
 
Potentielle Adsorption von Antiinfektiva und Antikonvulsiva an Schlauch- und Filtermaterialien unter extrakorporaler Membranoxygenierung (ECMO) Print
 
S. Helbig1, A.C. Röhr1, J.A. Preisenberger1, O.R. Frey1, A. Brinkmann2, K. Gerlach3, M.C. Bührle3, G. Geldner3
1Klinikum Heidenheim, Apotheke, Heidenheim, Germany, 2Klinikum Heidenheim, Anästhesiologie und Intensivmedizin, Heidenheim, Germany, 3Klinikum Ludwigsburg, Anästhesiologie und Intensivmedizin, Ludwigsburg, Germany
 
Fragestellung: Für verschiedene Arzneistoffe wurde über eine signifikante Adsorption im ECMO-Kreislauf berichtet. Es besteht eine große Unsicherheit, ob eine Dosisanpassung zur Substitution des möglichen Arzneistoffverlusts notwendig ist. Ziel der in vitro Studie war zu untersuchen in welchem Ausmaß die Clearance der wichtigsten Antiinfektiva und Antikonvulsiva durch Adsorption oder chemische Veränderung im ECMO-Kreislauf beeinflusst wird.
Methodik: Über ein Maquet ECMO Gerät (Oxygenator PLS-i, Oberfläche 1,8 m2, Zentrifugalpumpe Rotaflow RF 32, Blutfluss 5 l/min, Sauerstofffluss 6 l/min) wurden Arzneistofflösungen mit Aciclovir, Ceftazidim, Ciprofloxacin, Flucloxacillin, Fluconazol, Gentamicin, Levetiracetam, Linezolid, Meropenem, Metronidazol, Piperacillin, Rifampicin, Valproinsäure, Vancomycin und Voriconazol in je 5000 ml NaCl 0,9% gepumpt. Simultane Proben vor und nach dem Oxygenator wurden über eine Gesamtlaufzeit von 150 Minuten entnommen und direkt im Anschluss mittels HPLC-UV und FPIA quantifiziert.
Ergebnisse: Kurzzeitig, innerhalb der ersten 30 Minuten, waren die gemessenen Konzentrationen aller untersuchten Arzneistoffe in den gewonnenen Proben im Mittel (bis zu 49% vor dem Oxygenator bzw. 79% nach den Oxygenator) deutlich unterhalb der Ausgangskonzentrationen. Ab 45 Minuten waren die Ausgangskonzentrationen wieder erreicht, die Konzentrationen blieben dann über den gesamten Untersuchungszeitraum unverändert. Dieses Phänomen war unabhängig von den physikalisch-chemischen Eigenschaften der Arzneistoffe.
Schlussfolgerung: Unter den beschriebenen Bedingungen findet keine signifikante Zersetzung oder Adsorption der untersuchten Arzneistoffe an den Oxygenator oder die Oberfläche des Schlauchsystems statt. Dem beobachteten Konzentrationsabfall in den ersten 30 Minuten könnten Verdünnungseffekte bei der Entnahme aus den Drei-Wege-Hähnen zu Grunde liegen. Aus anderen Untersuchungen berichtete Wirkstoffverluste, vor allem bei Substanzen mit hoher Lipophilie, konnten für die beschriebene ECMO-Technik nicht beobachtet werden. Die Notwendigkeit einer individuellen Dosisanpassung bei ECMO Patienten beispielsweise auf Grund der Erhöhung des Verteilungsvolumens oder einer veränderten Organfunktion muss in pharmakokinetischen Untersuchungen am Patienten überprüft werden.


Hinzugefügte Sprecher:
Sophia Helbig , Klinikum Heidenheim , Heidenheim , Deutschland

Verknüpft in Sitzungen:
04.12.2013, 08:30-10:00, Symposium Freier Vorträge, Symposium Freier Vorträge, Konferenzraum M 6 (Messehaus)